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Dr. Dieter Ebner

Dr. Dieter Ebner war über 30 Jahre lang Mitarbeiter der Physik der Universität Konstanz. Er verstarb unerwartet am 29. 11. 2017 im Alter von nur 73 Jahren. Dieter Ebner wurde im Jahr 1972 im damals noch jungen Fachbereich Physik der Universität Konstanz im Bereich Astrophysik promoviert. Rätselhafte Beobachtungen wie die kosmische Hintergrundstrahlung und die seltsamen Quasare faszinierten ihn. Nach seiner Promotion erhielt er ein Angebot, am Fachbereich zu bleiben, um eine schlagkräftige Lehre aufzubauen. Zunächst kümmerte er sich um den Übungsbetrieb in der theoretischen Physik. Später baute er einen Kompaktkurs für Erstsemester auf, um die Mathematikkenntnisse der Studienanfängerinnen und Studienanfängern auf ein einheitliches Niveau anzuheben.

Das Elektronikpraktikum, das angehenden Experimentalphysikerinnen und Experimentalphysikern ein Basiswissen vermittelt, ist eine Initiative von Dieter Ebner, Klaus Froböse und Klaus Läuger. Alle drei Wissenschaftler erhielten dafür 1994 den Landeslehrpreis. Dieter Ebner war mit diesen Aktivitäten aber noch nicht ausgelastet. Er engagierte sich in der Lehrerausbildung und organisierte ein Praktikum für Fachdidaktik. Als Theoretiker war ihm die Bedeutung leistungsstarker Computer für die Physik bewußt, und er beteiligte sich als Soft- und Hardwarespezialist am Aufbau eines Computernetzwerks.

Parallel zu diesen vielen Aktivitäten im Fachbereich forschte Dieter Ebner kontinuierlich an anspruchsvollen kosmologischen Themen wie den Eigenschaften von Antimaterie und Gravitationsinstabilitäten.

Dieter Ebener wurde von seinen Kolleginnen und Kollegen vor allem auch für seine große Hilfsbereitschaft und seine zuvorkommende Art geschätzt. Er hat sich um den Fachbereich Physik, dem er von 1971 bis 2009 angehörte, und um die Universität Konstanz wahrlich verdient gemacht. Der Fachbereich wird Dieter Ebner ein ehrendes Andenken bewahren.

Gerd Ganteför

Angela Schellinger

Anfang Juli 2018 erreichte uns die traurige Nachricht vom Tode von Angela Schellinger.

Sie war von 1987 bis 2006 im Sekretariat des Lehrstuhls für Angewandte Festkörperphysik (Lehrstuhl Bucher) und anschließend im Bereich Photovoltaik im Fachbereich Physik beschäftigt. In dieser Zeit hat sie die Arbeitsweise innerhalb der Arbeitsgruppe nachhaltig mitgeprägt, indem sie viele Generationen von Diplomandinnen und Diplomanden sowie Doktorandinnen und Doktoranden kompetent bei allen nichtwissenschaftlichen Fragestellungen begleitet und unterstützt hat. Ihre professionelle Arbeitsweise und die aufmerksame sowie stets sehr menschliche Art, die sie in der internen Organisation einer der größten wissenschaftlichen Gruppen der Universität Konstanz gezeigt hat, wurde sowohl innerhalb der Universität als auch von den zahlreichen außeruniversitären Partnern, mit denen sie in Verbindung stand, hoch geschätzt.

Angela Schellinger wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sie gekannt haben, durch ihre sehr positive Ausstrahlung und äußerst herzliche Art noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Prof. Dr. Jürgen Audretsch

Prof. Dr. Jürgen Audretsch 

* 21. Februar 1942      † 14. September 2018

Prof. Dr. Jürgen Audretsch begann seine wissenschaftliche Karriere als wissenschaftlicher Assistent in der Physik der Universität Konstanz im Jahr 1971. Er blieb der Universität für 36 Jahre treu und wurde im Jahr 2007 in den Ruhestand verabschiedet. Am 14. September 2018 verstarb Jürgen Audretsch nach kurzer Krankheit.

Jürgen Audretsch wurde in Einbeck in Norddeutschland geboren und entschied sich aber schon früh für den Süden. Er begann sein Physikstudium in Tübingen und wechselte zum Diplom nach Freiburg. Die Arbeiten zu seiner Promotion führte er an den Universitäten München, Freiburg und Konstanz durch, die er 1971 mit Summa Cum Laude abschloss. In den ersten Jahren seiner Forschertätigkeit beschäftigte sich Jürgen Audretsch mit der Struktur des Universums und den Eigenschaften der Raumzeit. Schon seine allererste Publikation im Jahr 1967 behandelte ein Problem der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein. Über drei Jahrzehnte blieb er dem Thema der gekrümmten Raumzeit treu, deren Eigenschaften so sehr gegen die menschliche Intuition verstoßen. Im letzten Drittel seiner Forschertätigkeit verschob sich der Schwerpunkt seiner Arbeiten in Richtung Quantenoptik. Es ging um die ebenfalls rätselhaften Eigenschaften der Nanowelt mit Stichworten wie Verschränkung und Quantenteleportation. Zu diesen Themen verfasste Jürgen Audretsch auch einige populärwissenschaftliche Bücher, die bis heute begeisterte Leser finden. Mit diesen Büchern gelang ihm ein Brückenschlag von der Physik hin zur Philosophie und zur Religion.

Jürgen Audretsch wurde von seinen Kolleginnen und Kollegen für seine hohe Kompetenz in sehr grundsätzlichen Fragen der Physik geschätzt. Mit seinem Brückenschlag zur Philosophie und Religion erreichte er dann auch die Öffentlichkeit. Über die lange Zeit, die er dem Fachbereich angehörte, trug er maßgeblich zum internationalen Renommee der Konstanzer Physik bei. Der Fachbereich wird Jürgen Audretsch ein ehrendes Andenken bewahren.

Gerd Ganteför